CVT – Was ist das?

CVT steht für Complete Vocal Technique und ist ein(e) Gesangsschule/Gesangstechnik, die von Catherine Sadolin in Kopenhagen (Dänemark) entwickelt und erforscht worden ist. Das Schöne daran: Im Fokus steht deine Stimme und wie du jeden Sound gesund erzeugen kannst. Ich liebe die strukturierte Art von CVT, die mich als Sänger und vor allem als Vocal Coach wirklich weiter gebracht hat. Denn sie bietet konkrete Antworten auf alle Technik-Fragen – und das basierend auf der Anatomie des Vokaltrakts und Akustik – ohne dabei stets die Musik, die Kunst, die Interpretation außer Acht zu lassen. Und CVT hat keine Dogmen, was es mir leicht gemacht hat, mich wohlzufühlen und die Ideen anzunehmen und in meine Coachings zu integrieren.

Ich persönlich bin ein logischer Lerntyp. Wenn mir niemand erklären kann, was genau in meinem Vokaltrakt vorgeht und warum ich dieses oder jenes machen soll, dann kann ich es schwer umsetzen. Ich hinterfrage die Dinge gerne. Das hat mich schließlich zu Estill Voice Training geführt – ein anderes Gesangssystem, das ich sehr, sehr, sehr schätze und Pionierarbeit auch für CVT geleistet hat. Doch als weiteren Ausbildungsweg nach meinem Gesangspädagogik-Studium habe ich mich nach zwei Einführungsworkshops dann doch für den CVT Teacher’s Course in Kopenhagen entschlossen. Ich bin seit Juni 2022 autorisierter CVT-Lehrer, habe mich also intensiv – drei Jahre lang – damit beschäftigt. CVT ist in vielen Dingen die Grundlage meiner Coachings. CVT ist kein Voodoo und auch nicht alles, was mich als Coach ausmacht.

Eines der pädagogischen Leitprinzipien von CVT ist – etwas verkürzt: Nimm, was du gebrauchen kannst, und ignoriere den Rest. Also: Hilft uns eine Übung, ein Gedanke, ein Tipp beim Erreichen deiner Ziele? Ja? Super! (Ob das – überspitzt formuliert – basierend auf CVT, Feng Shui, Feldenkrais oder Belcanto ist, kann uns sozusagen egal sein, solange es funktioniert, deiner Stimme nicht schadet und du es reproduzieren kannst) Wenn’s nicht hilft, dann nicht. Dann suchen wir einen anderen Weg.

Die Grundlagen von CVT (wirklich nur die Basics… CVT ist viel mehr)
Ich vergleiche die Grundlagen von CVT gerne mit einem „Subway“-Sandwich. Das fertige Sandwich ist dein Wunschklang mit deiner perfekten, gesunden Technik. Wie du das Sandwich füllst, bleibt ganz dir überlassen. Aber Brot brauchen wir dafür alle. (Für Low-Carb- und Keto-Diäten stimmt die Analogie vielleicht leider nicht… sorry…)

Die drei Grundprinzipien: unsere Grundlage für gesunde Klangerzeugung
(Das Brot – ohne Brot, kein echtes Sandwich)

  • die richtige Menge Supportenergie (Stütze)
  • das Mindestmaß an Twang, um gesunden Sound überhaupt erzeugen zu können*
  • das Vermeiden von Spannungen in Lippen und Kinn

* Für Sänger*innen, die schon wissen, was Twang ist oder sein kann, mag das irritierend klingen. Aber es geht hier nicht um den „extremen“ Twang-Klang (Klischee-Country-Musik). Es geht bei diesem Grundprinzip von CVT um die (je nach Ton und Mode) minimalste Verengung des Kehlkopftrichters, um ein gleichmäßiges und hörbares Schwingen der Stimmbänder überhaupt erst zu ermöglichen. Twang ist ja nicht nur 0 oder 1 – an oder aus. Twang kann kaum wahrnehmbar sein, ein „Ton mit Kern“, oder eben auch ein extrem nerviger Sound. Die „akustische Kompressorkammer“ Kehlkopftrichter müssen wir aber auf jeden Fall ein wenig einsetzen, um unsere Stimmbänder in regelmäßige Schwingung versetzen zu können und unseren Ton hörbar zu machen bzw. verstärken zu können (und tun das meistens auch ganz automatisch, ohne darüber nachzudenken).

Die vier Modes: Die Hauptzutat für unser Klang-Sandwich, unser Protein
(Chicken Teriyaki, Thunfisch oder doch BBQRibs?)

Wie soll unser Ton klingen? Hier unterscheidet CVT zwischen vier Modes: Neutral, Curbing, Overdrive und Edge. Jeder der vier steht für ein spezifisches Klangspektrum und ein bestimmtes Setting in Stimmbändern und Vokaltrakt. Jeder Mode hat eigene Regeln, die es zu beachten gilt. Manche Klänge sind wir gewohnt (aus kulturellen oder auch geschmacklichen Gründen), andere sind für uns vielleicht neu und schwerer zu lernen.

Klangfarbe: Die Extras auf unser Sound-Sandwich
(Gurkerl, Zwiebel, Salat?)

Die Grundlagen sind gelegt (Fisch, Fleisch, Erbsenproteinlaberl), jetzt gehts um Geschmacksdetails (Gurkerl und Zwiebel?). Auf CVT umgemünzt, geht es hier um die Wahl der Klangfarbe. Alle Sänger:innen können selbst wählen, wie sie ihren Ton gestalten wollen: hell(er) oder eher dunkler. Hier beschäftigen wir uns mit den Elementen unseres Vokaltrakts, also mit allen Bereichen, die die von den Stimmbändern im Kehlkopf ausgehende Klangwelle auf dem Weg zu unseren Lippen passiert.

Effekte: Special-Add-ons kosten extra
(Extra Bacon und Guacamole?)

Und zu guter Letzt noch für alle, die ein Extra-Special-Sandwich wollen: Für die Guacamole oder extra Bacon muss man leider extra (Support-Energie) zahlen 🙂 In unserem Beispiel sind das die Effekte, die wir noch auf unseren Sound draufsetzen können, wenn wir wollen. Das kann „dirty“ Distortion sein, ein „Zombies“-Vocalbreak, ein Louis-Armstrong-Growl… – es gibt viele, viele Möglichkeiten und Kombinationen, die wir gesund mit unserem Vokaltrakt erzeugen können. Aber das können wir uns nur leisten, wenn wir bei den Grundprinzipien und dem Mode gut gearbeitet sowie die Technik gut verinnerlicht haben. Denn Effekte können ganz schön herausfordernd sein und die Basis ins Straucheln bringen.

Wenn du mehr über CVT erfahren magst: Komm einfach in eine Vocal Coaching-Einheit bei mir. CVT ist kein Voodoo. Wer schon im Vorhinein mehr wissen will: auf der Seite des Complete Vocal Institutes findest du viele Informationen: https://completevocal.institute/

Ganz besonders spannend ist die kurze pädagogische Einleitung, die gut meine Art des Vocal Coachings reflektiert (logisch, bin ja auch ein CVT-Trainee…):
https://completevocal.institute/cvt-pedagogics/

Hier noch das Überblicks-Poster, das kurz zusammenfasst, was ich oben in eigenen Worten beschrieben habe.

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